Sport Auto Feb.79 Mako Capri

Tuning Test Mako V8

Endlich hatte ich ein freies,gerades Autobahnstück erwischt,um dem Koloß alle Zügel freizugeben,auf daß er sich gehörig austobte.Zur Vervollkommnung des Lustgweinns überzog die Straße auch Gott sei Dank nicht einfacher ,ebener Asphaltbelag,sondern die rauhe Fahrbandecke unterbarchen immer wieder schöne Teer Querfugen.

Und da ging dann das tolldreiste Leben -oder wie Sie wollen- die Hölle los: Die starre Hinterachse, natürlich nur von simplen Blattfedern, aber immerhin einen Querstabilisator geführt, macvhte jedesmal einen Riesensatz ,und das Auto schoß, versetzt zur ursprünglich eingeschlagenen Richtung,, unbeirrt weiter.Wenn dabei die Tachonadel fast 260km/h anzeigt (effektive Höchtgeschwindigkeit, in beiden Richtungen gemessen: 248km/h), wird einem erst bewußt ,wie schmal zwei Fahrspuren sein können. Daß solches Treiben nicht lange andauert, liegt demzufolge nicht an der  Maschine -110 Grad Wassertemperatur sind bei ihr wohl üblich.Vielmehr hemmen eher dieAdrenalinstöße des Piloten,der,schweißgebadet in den Sitz gepreßt,versucht,das Geschoß am Fliegen zu hindern.

 

Der weiße Hai

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MAKO V8: ein beutegieriger Strassen-Hai

Dieser Gewaltkeil,der wieder bewußt macht,daß Autofahren körperliche Schwerarbeit sin kann,und versucht,uns servoverweichlichten Zeitgenossen zu vermitteln,wie das vor 25Jahren war,ist nichts anderes als ein “Mako”.Ein Blick in ein Nachschlagewerk trägt kaum zur Entzifferung des geheimnisvollen Begriffs bei.Dort steht höchstens: ein etwa 500kg schwerer Hochseehai,schneller Schwimmer.

Unter “Mako” firmiert auch ein kleiner,in 5204 Lohmar 21,Hötterhof 4,ansässiger Betrieb.Dort verwandelt Gerd Knözinger im Zeichen des Hais bereits seit fast vier Jahren serienmäßige Ford Capri in donnernde V8-Motor-Boliden.Solch eine schon in den gedankenlichen Vorstellung betörende Mutation wird nur ab Werk vorgenommen,ein nachträglicher Austausch von Motor und Fahrwerk ist nicht möglich.Knözinger,ehemals als Ingenieur in der Ford-Rennabteilung tätig,versteht denn auch seinen Mako V8 als eigenständiges Automobil,dessen “Power aus dem Hubraum kommt,und nicht aus den kriminellen Drehzahlen”.

Beim Motor greift Knözinger auf das amerikanische Ford-Boss-302-Triebwerk zurück,das seit 1971 nicht mehr in der Serienproduktion verwendet wird.Dieses Kraftwerk vergangener Größe ist nur noch über das Ersatzteillager in Detroit erhältlich,woher es auch Knözinger bezieht.Dank riesiger Holley-Vergaser aktiviert der 4,9-Liter-Koloß 278PS (204kW) bei respektablen 5800/min.Das maximale Drehmoment von 360Nm wird bei 4300/min erreicht.Bereits im Leerlauf offenbart sich allezu deutlich,was vorne unter der Haube los ist: Da ist kein leises Blubbern,wie es die heutigen zahmen US-Motoren besitzen,und natürlich erst recht kein sanftes Summen eines Sechszylinder-Capris. Heisers Fauchen kündet von der beim Tritt aufs Gaspedal zu erwartenden Urgewalt - wehe,wenn sie losgelassen.... Das Beschleunigungsinferno ist kaum vergleichbar: Im Inneren bollert es wie in einem altertümlichen Schiffsrumpf, während es hinten wegen mangelnder Traktion eine Ladung blauer Gummiwolken hinaushaut. Wer allerdings einen guten Start vollbringen will, muß stramme Wadenkräfte aufweisen.Die hydraulisch betätigte Einscheiben-Kupplung ist nicht nur ausserordentlich schwergängig,sie verlangt auch viel Gefühl,da der erste Gang mit 2,78:1 viel zu lang übersetzt ist.Auch die Lenkung beansprucht eine zupackende Hand,denn 740kg auf der Vorderachse erleichtern ohne Servounterstützung nicht eben die Manövierfähigkeit.

 

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Nicht nur der Motor stammt von Ford/USA,ebenso Teiel des Fahrwerks.Die komplette Hinterachse samt Kardanwelle und Trommelbremsen ist vom Mustang II übernommen.Zur Härte des Fahrwerks tragen darüber hinaus straffe Bilstein-Dämpfer bei.

Bremsungen bei hoher Geschwindigkeit sind im übrigen vorsichtig anzugehen,da der Mako hinten schnell zum vollen Blockieren neigt,wobei dies weniger auf die entlasteten Hinterräder zurückzuführen ist,als vielmehr auf das unharmonische Zusammenspiel der vorderen Scheibenbremsen und der Mustang-Anlage.

Um die Gewichtsverteilung in Grenzen zu halten,wurde sogar Vorsorge getroffen: Das Kofferraumvolumen schränken Batterie sowie ein 100-l-Tank ein.Letzterer ist auch aufgrund des V8 -Hochleistungsmotors anzuraten: bei Vollgas strömen bis zu 26 Liter pro 100 Kilometer durch die Vergaser,der Durchschnittsverbrauch lag bei 20,9l.

Dreißig Mako-Capris konnte Knözinger bislang verkaufen,und mit jedem einzelnen aus seinem kleinen Kundenkreis verbindet ihn ein persönliches Verhältnis.Grund genug für den Enthusiasten,in die Lenkradnabe seinen Telefonnummer einzuprägen: (02246) 2380